Mustangs in der Schweiz - Otto Rupf

Zusammenfassung Interview vom 27. August 2005

Otto Rupf, Jahrgang 1929, war und ist einer der grossen Figuren der Ford-Händler Szene der Schweiz. Ich durfte ihn am 20. August 2005 anlässlich des Mustang-Treffens im Birrfeld kennenlernen. Dorthin mitgebracht hatte er zwei sehr interessante Fahrzeuge aus seiner Privatsammlung, die er jetzt aus Altersgründen veräussern möchte. Stephan Müller nahm anschliessend Kontakt auf und konnte kurzfristig einen Gesprächstermin am Hauptsitz der Otto Rupf AG in Dübendorf vereinbaren.

Herr Rupf erwies sich als sehr aufgeschlossener und umtriebiger Gesprächspartner. Nicht ein schlipsbewerter aalglatter Verkäufer, sondern ein Schaffer und Krampfer (oder Würger?) vor dem Herrn mit 10W40 Oel anstelle von Blut in den Adern. Ein Patron alter Schule, zudem ein wandelndes Lexikon in Sachen Schweizer Ford-Geschichte und der Garagen-Szene allgemein. Seine Erinnerungen und Anektoten würden ganze Bücher füllen. Während er uns eine komplette und ausgiebige Führung durch seinen Betrieb gewährte erzählte er uns aus seinem Leben als mit allen Wassern gewaschenen Ford-Garagist.

Herr Rupf ist als eins von 14 (!) Geschwistern aufgewachsen. Seine Lehrzeit als Mechaniker, Autospengler und Autolackierer sowie seine ersten Berufsjahre absolvierte er bei eingesessenen Betrieb wie der AMAG und der Ford Garage Th. Willy in Zürich. Um 1953 übernahm er selbst eine Zweigstelle der Th. Willy AG und war bis 1970 als C-Vertragshändler unter Th. Willy aktiv. Aufgrund des Geschäftsgangs und der stetigen Vergösserung war der Wechsel zum A-Händler-Status offenbar nur eine Formsache. Zu diesem Zeitpunkt besass Herr Rupf aber bereits mehrere eigene Untervertretungen.

Die Mustang Zeit

1964 begann die Markteinführung in der Schweiz zunächst zögerlich. Ford wollte nicht so recht (wiederholen sich da die Ereignisse 2005?). Das Geschäft machte zunächst die Garage Steiger in Zürich, die offenbar mit dem Import von US-Fahrzeugen aller Art über 1000 Einheiten pro Jahr absetzte. Der Import muss aufgrund vorhandener Fahrzeuge allerdings bereits kurz nach der Mustang-Vorstellung in den USA begonnen haben.

Zu jener Zeit bestand Ford Schweiz aus drei Personen. Die Import-Organisation verfügte nur über ein Büro. Autos und Ersatzteile wurde bei den Händler eingelagert. Th. Willy war seinerzeit der grösste; mit offiziellen Geschäftsstellen in Zürich, Bern und Luzern sowie zahlreichen Untervertretern. Die Ostschweizer Hochburg wurde von Firma Schläpfer in St. Gallen bedient. Als der Mustang 1965 offiziell ins Verkaufsprogramm aufgenommen wurde, lagerte offenbar Th. Willy einen Grossteil der Autos ein. Dies passierte auf einer offenen Fläche im Zollfreilager in Zürich-Altstätten (der heutigen Hardturm-Gegend). Von dort wurden die Mustangs zu verschiedenen Ford-Händlern (auch Rupf) überführt, wo die mechanischen Umbauten (Oelwannen, Oelkühler, Zusatzausstattung) sowie die Bereitsstellung/Aenderungen für die Schweizer MFK erfolgten. Dies erklärt, warum kaum ein Auto mit dem anderen zu vergleichen ist, resp. Aenderungen mal ausgeführt wurden und mal nicht. Um die Autos leichter zulassen zu können, wurde für jedes Jahr mehrere Modelle typengeprüft. Eine derartige Prüfung kostete damals um die Fr. 25000.--

Kaum ein Mustang kam in brauchbarem Zustand in die Schweiz. Fast alle Autos mussten nachlackiert werden. Dellen, Kratzer, ungenügende Farbdeckung ab Werk waren meist zu beklagen. Otto Rupf als innovativer Unternehmer führte als einer der ersten eine Einbrennlackierkabine ein. Damit ging die Arbeit schneller vonstatten und er bekam als C-Händler jeden Monat rund 25 Mustang von Ford zur optischen Aufbereitung - sehr zum Leidwesen der anderen Ford-Vertreter. Die Autos bezog er allerdings zu jener Zeit von Th. Willy. Ab 1970 - nach dem Wechsel in den A-Händler-Status - wurden die von Rupf verkauften Fahrzeuge komplett inkl. Entwachsen im eigenen Betrieb aufbereitet.

Ab 1976 wurde die Ford-Organisation in der Schweiz vergrössert. Ein Aufbereitungscenter in Rothrist entstand. Seither werden die Autos zentral bereitgestellt und allenfalls umgebaut. Das offizielle Ende des Mustang in der Schweiz erklärt Herr Rupf mit drastischen sinkenden Verkaufszahlen anlässlich der 2. Oelkrise 1982

Angesprochen auf die Tatsache, dass in der Schweiz viele Mustangs vorhanden sind, die nicht offiziell für den Export gebaut wurden (meiner ist einer davon, DSO 15 - neu durch Rupf verkauft), weiss Herr Rupf auch keine schlüssige Erklärung. Offenbar konkurrierten verschiedene europäische Importgesellschaften und die Autos kamen auf zum Teil verschlungenen Wegen in die Schweiz.

Ueber die genaue Menge der verkauften Mustangs kann Herr Rupf keine Angaben machen.

Als typisches Kundensegment bezeichnet Herr Rupf den Geschäftsherrn, der als Zweitwagen zur Limousine oder für die Frau noch etwas sportliches, elegantes suchte. Shelbys hat er nie verkauft. Waren eine eigene Welt und eher dem Geldadel und der Racer-Szene zuzuordnen. Ford Helbling in Rapperswil soll sich entsprechend hervorgetan haben. Auch Schläpfer in St. Gallen.

 

 

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